Profitables Setup für Feierabend-Trader

Im Gegensatz zu einer willkürlichen Eröffnung einer Position bietet der Markteintritt mittels eines duplizierbaren Setups, und damit gemäß vorher festgelegten Handelsregeln, erhebliche Vorteile. Es ist sinnvoll, bereits im Vorhinein genau zu wissen, welcher Betrag riskiert wird, wann die Position im Verlustfall – ohne Wenn und Aber – geschlossen wird und wann welche Kursziele und damit Gewinne überhaupt zu erwarten sind. Der vorliegende Artikel zeigt ein profitables Setup auf, welches speziell auf Trader zugeschnitten ist, die neben ihrem Vollzeitberuf handeln. Das System ist dabei auf Tagesschlusskursbasis (End of Day, kurz EoD) umsetzbar.

Durch eindeutig definierte Handelsregeln kommt eine planvolle Strategie zustande. Dabei ist es von überragender Bedeutung, dass die Handels- regeln im Vorfeld aufgestellt und diese dann in der täglichen Anwendung gemäß dem eigenen Regelwerk „abgearbeitet“ werden. Diese Vor- gehensweise verhilft zu Disziplin, vermeidet planloses „Zocken“ und gewährleistet zudem, dass das Risiko- und Money-Management eingehalten wird. Mittels dem vorliegenden Setup wird solch ein Regelwerk aufgestellt, wel- ches auf EoD-Basis gerade für den Feierabend-Trader handelbar ist.

Auf Basis der klassischen Technischen Analyse (TA) suchen wir vielversprechende Werte, die dann mit dem nachfolgend dargestellten Setup gehandelt werden können. Die Grundlage bildet dieTrenddefinition aus derTA: „Die Märkte verlau- fen in Trends“ und „Ein Trend ist so lange intakt, bis dieser gebrochen ist“. So haben wir – wenn nur Trends gesucht und diese dann in deren Haupt- richtung gehandelt werden – einen Vorteil gegen- über einer willkürlichen Positionseröffnung gegen denTrend.

Um diesen Ansatz zu ver- deutlichen, wird das Setup zunächst theoretisch betrachtet. Vorab jedoch der Hinweis, dass der Einfachheit halber lediglich der Long-Ansatz beschrieben wird. Selbstverständlich gilt das Regelwerk umgekehrt auch für Short Trades. Ein Short-Beispiel wird im Laufe des Artikels in der Praxis beschrieben.

Das Setup in der Theorie

In Bild 1 sehen Sie einen Glei- tenden Durchschnitt (blaue Linie) mit der 200er Periode (GD(200)). Dieser ist aufwärts- gerichtet und die Kurse ver- laufen oberhalb. Dabei ist es unerheblich, ob es sich um einen „normalen“, exponenti- ellen oder gewichteten Glei- tenden Durchschnitt handelt.

Bild 1: Voraussetzungen für das Setup

 
Es müssen zwei Voraussetzungen für das Setup erfüllt sein: Erstens ein 200er Gleitender Durchschnitt (blaue Linie), der aufwärtsgerichtet ist, sowie Kurse, die darüber verlaufen. Zweitens ein Aufwärtstrend mit steigenden Hochs (RH1 und RH2) sowie steigenden Tiefs (RT1 und RT2). Sind diese Aspekte erfüllt, wird auf eine Korrektur gewartet, die mindes- tens 50 Prozent der vorangegangen Bewegung ausmacht (Strecke von RT2 zu RH2). Ist diese erfolgt, wird die Einstiegs-Order knapp oberhalb der letzten negativen Kerze (zweite rote Kerze im rechten Ausschnitt) gesetzt.

Wichtig ist an dieser Stelle lediglich, dass Sie einen Trendfilter in Form eines 200er Gleitenden Durchschnitts haben. Dieser ist so interessant, da selbst fundamentale Händler den 200er GD im Auge haben und es durchaus auch größere Fonds-Gesellschaften gibt, die nur Long only Strategien umsetzen, diesen GD als Timing- Instrument benutzen. Wichtig ist zudem, dass die Kurse im Allgemeinen über dem GD(200) notieren, denn dies ist eine der Grundvorausset- zungen (eine eintägige Verletzung insbesondere nur auf Intraday-Basis ist dabei völlig unschäd- lich). Daneben sehen Sie einen Aufwärtstrend mit steigenden Hochs (RH1 und RH2) sowie steigenden Tiefs (RT1 und RT2). Dies ist die zweite Grundvoraussetzung und hier darf es keinen Interpretationsspielraum geben. Das heißt, hier ist darauf zu achten, dass wirklich ein Aufwärtstrend gegeben ist. Definition laut TA: Mindestens zwei relative Tiefpunkte und zwei relative Hochpunkte müssen vorliegen.

Sofern diese beiden Aspekte erfüllt sind – Kurse über dem GD(200) und gültiger Aufwärtstrend – (und zwar nur dann!), wird auf eine Korrektur gewartet, die mindestens 50 Prozent der voran- gegangen Bewegung ausmacht (Strecke von RT2 zu RH2). Sobald diese erfolgt, wird eine Einstiegs- Order knapp oberhalb der letzten negativen Kerze (zweite rote Kerze im rechten Ausschnitt, siehe Bild 1) platziert. Diese Einstiegs-Order verbleibt solange im Markt, bis keine weitere rote Kerze tiefer schließt. Sollte eine rote Kerze tiefer schlie- ßen als die vorangegangene, nehmen Sie die Order raus und legen die Order wiederrum über diese neu ausgebildete rote Kerze. Dies wieder- holen Sie so lange, bis die rote Kerze den letz- ten RT2 erreicht. Wird dieser Punkt unterschritten (per Tageschlusskurs; eine Intraday-Verletzung ist tolerierbar), ist der Aufwärtstrend gebrochen, das Setup hinfällig und die Order ist aus dem Markt zu nehmen.

Sofern der Markt keine neuen roten Kerzen aus- bildet, verbleibt Ihre Order so lange im Markt an der ersten Stelle, bis diese ausgeführt wird. Das heißt, Sie müssen während der Wartezeit, in der Ihre Order im Markt liegt, einmal täglich die aktu- elle Lage prüfen. Dies kann in der Praxis auch gut über eine Alarmfunktion bewerkstelligt werden. Sofern dann die Order ausgeführt wird – ohne vorher RT2 zu brechen – wird der Stopp knapp unterhalb des letzten RT2 (und dem damit letzten gültigen Tief im Aufwärtstrend) gelegt. Sollte sich dann der Wert in die gewünschte Richtung ent- wickeln, wird der Stopp immer auf das nächste gültige Tief (in dem Fall RT3) nachgezogen. Dies ist dann erfüllt, sobald es ein neues Hoch RH3 gibt. Ein neues Hoch wird erst dann ausgebildet, wenn der aktuelle Kurs auch tatsächlich über dem RH2 schließt und dies für mindestens zwei volle Tage. Ein einfaches, einmaliges „Testen“ reicht nicht aus, dass ein signifikanter Durchbruch über dem letzten relativen Hoch vorliegt.

Eine weitere Hilfestellung hierzu gibt Ihnen auch die Historie im vorangegangenen Chart- verlauf und den einzelnen Aufwärtsschüben. Betrachten Sie diese immer und schätzen Sie ab, wie sich der Wert in der jüngsten Vergangenheit bewegt hat und welche Größenordnung die einzelnen vorangegangen Bewegungsschübe hatten.

Praxisbeispiel

In der Praxis sehen wir dieses Setup in Bild 2. Hier wird die Aktie Bayer aus dem DAX in der Ansicht des Tages-Charts (eine Kerze entspricht einem Tag) dargestellt. Sie sehen einen Aufwärtstrend (erst gültig ab dem zweiten RH2) sowie einen steigenden GD(200) (blaue Linie), über dem der Kurs notiert. Nach einer 50-prozen- tigen Korrektur Mitte Dezem- ber wurde die Order knapp oberhalb der letzten negativen Kerze gelegt (zweites graues Rechteck). Diese Order wurde mit einem kleinen Aufwärts- Gap ausgelöst. Der Anfangs- stopp wurde unter dem letzten gültigen relativen Tief (RT2) gelegt und blieb dort, bis sich ein neues gültiges Hoch aus- bildete. Erst mit dem neuen Punkt RH3 durfte der Stopp auf das nächste Tief nachgezo- gen werden. Dies wird so lange fortgesetzt bis der Markt selbst entscheidet, wann der Trade zu Ende ist. Das bedeutet, dass kein festes Gewinnziel existiert, da derTrade im trendfolgenden Ansatz so lange gehalten wird, bis der Aufwärtstrend gebro- chen ist und der Stopp ausge- löst wird. Im vorliegenden Fall in Bild 2 wäre dies demnach erst bei Unterschreitung des RT4 der Fall.

Bild 2: Praxisbeispiel Long Trade bei Bayer

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Im Tages-Chart ist die Bayer-Aktie abgebildet, die sich im Aufwärtstrend befindet (erst gültig ab dem zweiten RH2) sowie einen steigenden GD(200) (blaue Linie) aufweist, über dem der Kurs notiert. Nach einer 50-prozentigen Korrektur Mitte Dezember wurde die Order knapp oberhalb der letzten negativen Kerze gelegt (zweites graues Rechteck) und durch ein kleines Aufwärts-Gap ausgelöst. Der Anfangsstopp wurde unter dem letzten gültigen relativen Tief (RT2) gelegt. Nachdem sich das neue RH3-Hoch ausbildete, wurde der Stopp auf das nächste Tief (RT3) nachgezogen.

Short Trade in der Praxis

Short Trades werden nach dem- selben Regelwerk gehandelt, wie es bei Long-Positionen der Fall ist – nur dann in umgekehr- ter Reihenfolge. Das heißt, es muss ein Abwärtstrend vorlie- gen, die Kurse müssen im All- gemeinen unter dem GD(200) verlaufen und es liegt eine mindestens 50-prozentige Korrektur vor. Der Einstieg erfolgt dann im Short – ebenfalls nach einer Kor- rektur – unter dem Tief der letzten positiven Kerze.

In Bild 3 ist ein Short Trade auf die US-Aktie Consol Energy aus dem S&P 500 dargestellt. Nach einem Abwärtstrend (RH1 bis RT2) und einer Kursentwicklung, die unter dem GD(200) verläuft, erfolgt eine Korrektur (vergleiche RT2 bis RH3), die am 15. April 2015 50 Pro- zent des vorangegangenen Abwärtsschwung von RH2 bis RT2 korrigiert. Hiernach ist die Ein- stiegs-Order unter dem Tief der Tageskerze vom 15. April zu legen. Am Tag darauf steigt der Kurs abermals, sodass gemäß Regelwerk die Order nunmehr unter das Tagestief zu legen ist. Die Einstiegs-Order wird dann schlussendlich am 20. April ausgeführt, da der Kurs am Tag zuvor nicht höher oder tiefer schloss als am 16. April. Die Stoppverwaltung inklusive des Anfangsstopps verläuft dann ebenfalls wie im Long-Ansatz, das heißt, der Stopp wird bei der Ausbildung eines neuen relativen Tiefs immer knapp über dem letzten relativen Hoch gelegt.

Bild 3: Praxisbeispiel Short Trade bei Consol Energy

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In Bild 3 ist ein Short Setup der US Aktie Consol Energy inklusive Einstieg, und Trailing- Stopps aufgeführt. Nach einem Abwärtstrend (RH1 bis RT2) und einer Kursentwicklung, die unter dem GD(200) verläuft, erfolgt eine 50-prozentige Korrektur (vergleiche RT2 bis RH3). Hiernach ist die Einstiegs-Order unter dem Tief der Tageskerze vom 15. April zu legen. Die Einstiegs-Order wird dann schlussendlich am 20. April ausgeführt. Der Stopp wird bei der Ausbildung eines neuen relativen Tiefs immer knapp über dem letzten relativen Hoch gelegt.

Fazit

Dieses Setup ist speziell auf die Bedürfnisse von Feierabend-Tradern zugeschnitten, da sie hierbei lediglich einmal täglich die Order-Lage prüfen und gegebenenfalls anpassen müssen. Sobald die Order ordnungsgemäß ausgeführt wurde, ist der zeitliche Einsatz deutlich geringer, da Trader nur noch dann aktiv werden, wenn sie den Stopp nachziehen müssen.

Durch die Verknüpfung weiterer Aspekte der Technischen Analyse, wie zum Beispiel Candle- stick Patterns, Einbeziehung kleinerer Trendgrö- ßen, Volumenbetrachtung und dergleichen, kann das Setup modifiziert werden. Aber auch beim Ausstieg kann statt des Ausstiegs durch den Markt mittels Trailing-Stopp ein vorzeitiger Exit erfolgen. Gegensignale oder das Unterschreiten des GD(200) könnten so mit einbezogen werden, um die Basisstrategie zu verfeinern.

Nichtsdestotrotz wird es auch bei diesem Ansatz Trades geben, die im Verlust enden. Bei beständiger Anwendung der Handelsregeln können aber die größeren Gewinne die vor- angegangenen Verluste kompensieren, da Sie trendfolgend handeln und somit Gewinn-Trades so lange halten, bis der Markt Ihnen die Zeit zum Ausstieg signalisiert.

Abschließend bleibt festzuhalten, dass es auch mit den besten Handels-Setups nicht möglich ist, über Nacht reich zu werden und Sie unbedingt mit reproduzierbaren Regelwerken unter Berücksichtigung eines strikten Risiko-, Money- und Positions- größen-Managements an den Märkten agieren.

Gleitender Durchschnitt

Die einfachste Variante, einen Durchschnitt zu berechnen, ist als arithmetisches Mittel bekannt. Die Berechnung ist simpel: Man teilt die Summe der Kurse oder Indikatorwerte des Berechnungszeit- raums durch die Anzahl der enthaltenen Handels- tage. In der Technischen Analyse wird dieser fort- laufend berechnete Wert als Gleitender Durch- schnitt (GD) bezeichnet. Die Einfachheit der Be- rechnung hat dabei nichts mit der Qualität und dem Nutzen des Ergebnisses zu tun. Der einfache GD wird heute genauso oft verwendet wie ande- re, komplizierter zu berechnende Typen von GDs wie zum Beispiel exponentiell gewichtete GDs. Der EMA wird fortlaufend berechnet, indem zum Wert des gestrigen Durchschnitts ein gewichteter Anteil des heutigen Schlusskurses addiert wird. Dadurch sind im Prinzip alle Daten der gesamten Datenreihe im aktuellen Durchschnittswert enthal- ten. Durch die exponentielle Gewichtung der hin- zukommenden Daten „verblassen“ die älteren Daten mit jedem Tag. Der EMA liegt dichter an den Kursen als der GD.

Im Allgemeinen werden GDs als Bestandteil von Handelssystemen verwendet, als Signallinie in In- dikatoren und zur Trendbestimmung in Aktien-, Future- und Indexcharts.

Strategiename: Korrekturhandel

Strategietyp: Trendfolgendes mittelfristiges Swing-Trading

Zeithorizont:Tages-Chart

Setup:

• Long: Aufwärtstrend liegt vor; Kurse über dem GD(200);50%ige Korrektur
• Short: Abwärtstrend liegt vor; Kurse unter dem GD(200);50%ige Korrektur

Einstieg:

• Long: Einstiegs-Order knapp oberhalb der letzten bärischen Kerze;Order wird bei Kursabfall immer über die aktuelle letzte bärische Kerze gelegt, bis maximal zum letzten relativen Tief
• Short: Einstiegs-Order knapp un-terhalb der letzten bullischen Kerze;Order wird bei Kursanstieg immer unter die aktuelle bullische Kerzegelegt; bis maximal zum letztenrelativen Hoch

Stopp-Loss: Anfangsstopp knapp unterhalb des letzten gültigen relativen Tiefs im Aufwärtstrend (oberhalb des letzten Hochs im Abwärtstrend)

Trailing-Stopp:

• Long: Stopp wird unter das letzterelative Tief nachgezogen
• Short: Stopp wird über das letzterelative Hoch nachgezogen

Ausstieg: Durch den Markt oder mittels nachgezogenem Stopp

Risiko- und Money-Management: 1% Risiko des Gesamtdepots

Durchschnittliche Anzahl an Signalen: 2-3 Signale pro Woche im US- und deutschen Aktienmarkt

 

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