Der vorliegende Artikel zeigt ein profitables Setup auf, welches speziell für Trader die neben ihrem Vollzeitberuf handeln, zugeschnitten und dabei auf Tagesschlusskursbasis (End of Day, EoD) umsetzbar ist.

Im Gegensatz zu einer willkürlichen Eröffnung einer Position bietet der Markteintritt mittels eines duplizierbaren Setups, und damit gemäß vorher festgelegten Handelsregeln, erhebliche Vorteile.
Es ist sinnvoll, bereits im Vorhinein genau zu wissen, welcher Betrag riskiert wird, wann die Position im Verlustfall –ohne Wenn und Aber- geschlossen wird und wann welche Kursziele und damit Gewinne überhaupt zu erwarten sind.
Weiterhin ist es von Bedeutung, genau zu ermitteln, zu welchem Zeitpunkt und unter welchen Bedingungen schlussendlich ein Handelsgeschäft eingegangen wird, um dann in vergleichbaren charttechnischen Situationen wiederum ein entsprechendes Handelssignal zu traden.

Denn erst durch eindeutig definierte Handelsregeln kann überhaupt eine planvolle Strategie angewandt werden. Dabei ist es von überragender Bedeutung, dass die Handelsregeln im Vorfeld aufgestellt werden und diese dann in der täglichen Anwendung gemäß dem eigenen Regelwerk „abgearbeitet“ werden.

Gerade dieser Aspekt –bei Auftauchen ein und derselben Handelssignale immer wieder aktiv zu werden und die dargebotenen Setups zu handeln- darf für ein beständiges und erfolgreiches Trading keinesfalls vernachlässigt werden, denn nur so ergibt sich langfristig eine positive Rendite. Des Weiteren verhilft diese Vorgehensweise zu Disziplin und vermeidet daher planloses „zocken“ und gewährleistet zudem, dass das Risiko-  und Geldmanagement eingehalten wird.

Mittels dem vorliegenden Setup wird solch ein Regelwerk aufgestellt, welches auf EoD-Basis gerade für den Feierabendtrader handelbar ist.

Auf Basis der klassischen technischen Analyse (TA) suchen wir vielversprechende Werte, die dann mit dem nachfolgend dargestellten Setup gehandelt werden können.
Die Grundlage bildet die Trenddefinition aus der TA, die auf den Punkt gebracht zwei wesentliche Kernaussaugen bildet zum einen „die Märkte verlaufen in Trends“ und zum anderen „ein Trend ist so lange intakt, bis dieser gebrochen ist“.
Diese Grundregeln machen wir uns zu Eigen und helfen uns beim Suchen von interessanten Basiswerten. Denn so haben wir, wenn nur tendierende Werte gesucht und diese dann in deren Haupttrendrichtung gehandelt werden, einen Vorteil gegenüber einer willkürlichen Eröffnung einer Position gegen den Trend.

Um diesen Ansatz zu verdeutlichen, wird das Setup zunächst theoretisch betrachtet.
Vorab jedoch der Hinweis, dass nachfolgenden aus Vereinfachungsgründen lediglich der Long-Ansatz beschrieben wird. Selbstverständlich gilt das Regelwerk auch in der Short-Richtung.

Im Bild B1 sehen Sie einen gleitenden Durchschnitt 200 (GD200) der aufwärtsgerichtet ist und die Kurse über diesem GD200 verlaufen.
Dabei ist es unerheblich, ob es sich um einen „normalen“, exponentiellen oder gewichteten gleitenden Durchschnitt handelt. Wichtig ist an dieser Stelle lediglich, dass Sie einen Trendfilter in Form eines 200er gleitenden Durchschnitts haben. Dieser ist daher so interessant, da selbst fundamentale Händler den 200er GD im Auge haben und es durchaus auch größere Fondsgesellschaften, die nur Long-only Strategien umsetzen, diesen gleitenden Durchschnitt als Timinginstrument benutzen.

Wichtig ist zudem, dass die Kurse im Allgemeinen über dem GD200 notieren, denn dies ist eine der Grundvoraussetzungen (eine lediglich eintägige Verletzung insbesondere nur auf Intraday-Basis ist völlig unschädlich).
Daneben sehen Sie einen Aufwärtstrend mit steigenden Hochs (RH1 und RH2) sowie steigenden Tiefs (RT1 und RT2).
Dies ist die zweite Grundvoraussetzung.
Bei dieser Voraussetzung darf es kein Interpretationsspielraum geben. D.h. hier ist zu achten, dass wirklich ein Aufwärtstrend gegeben ist.Achten Sie bitte dabei auf die Mindestdefinition eines Aufwärtstrend in der TA. Diese lautet, dass mindestens zwei relative Tiefpunkte und zwei relative Hochpunkte vorliegen müssen wie in Bild B1 dargestellt.

Sofern diese beiden Aspekte erfüllt sind -Kurse über dem GD200 und ein gültiger Aufwärtstrend- (und zwar nur dann!), wird auf eine Korrektur gewartet, die mindestens 50 % der vorangegangen Bewegung ausmacht (Strecke von RT2 zu RH2). Sobald eine 50%ige Korrektur erreich wurde, wird eine Einstiegsorder knapp oberhalb der letzten negativen Kerze (zweite rote Kerze in Bild B1 im „gezoomten“ Rechteck) gelegt.
Diese Einstiegsorder verbleibt im Markt, so lange keine weitere rote Kerze tiefer schließt als die vorangegangen. Sollte eine rote Kerze tiefer schließen als die vorangegangene, nehmen Sie die Order raus und legen die Order wiederrum über diese neu ausgebildete rote Kerze.
Dies wiederholen Sie so lange, bis die rote Kerze den letzten RT2 erreicht.
Wird dieser Punkt unterschritten (per Tageschlusskurs; eine Intraday-Verletzung ist tolerierbar) ist der Aufwärtstrend gebrochen und das Setup ist hinfällig und die Order ist aus dem Markt zu nehmen.

Sofern der Markt keine neuen roten Kerzen ausbildet, verbleibt ihre Order so lange im Markt an der ersten Stelle, bis diese ausgeführt wird.
D.h. Sie müssen während der Wartezeit in der ihre Order im Markt liegt einmal täglich die aktuelle Lage prüfen. Dies kann in der Praxis auch gut über eine Alarmfunktion bewerkstelligt werden.
Sofern dann die Order ausgeführt wird –ohne vorher den RT2 heraus zu nehmen- wird der Anfangsstopp knapp unterhalb des letzten RT2 (und damit letzten gültigen Tiefs im Aufwärtstrend) gelegt.
Sollte sich dann der Wert in die gewünschte Richtung entwickeln, wird der Stopp immer dann nachgezogen, wenn ein neues gültiges Tief ausgebildet wird. Dies ist dann erfüllt, wenn der Wert über dem letzten Punkt RH2 schließt.
Achten Sie bitte darauf, dass Sie „nicht zu kleinlich sind“ bei der Betrachtung, ob ein neues Hoch ausgebildet wurde.
Ein neues Hoch wird erst dann ausgebildet, wenn der aktuelle Kurs auch tatsächlich über dem RH2 schließt und dies für mindestens zwei volle Tage.
Ein einfaches, einmaliges „anlutschen“ reicht nicht aus, dass eine signifikanter Durchbruch über dem letzten relativen Hoch vorliegt.
Eine weitere Hilfestellung hierzu gibt Ihnen auch die Historie im vorangegangenen Chartverlauf und den einzelnen Aufwärtsschüben. Betrachten Sie immer diese und schätzen Sie ab, wie sich der Wert in der jüngsten Vergangenheit bewegt hat und welche Größenordnung die einzelnen vorangegangen Bewegungsschübe hatten.

In der Praxis sehen wir diese Setup in Bild B2.

 

Hier wird die Aktie Bayer aus dem DAX in der Ansicht des Tagescharts (eine Kerze entspricht einem Tag) dargestellt.
Sie sehen seit Anfang Dezember 2014 einen Aufwärtstrend (erst gültig ab dem zweiten RH2) sowie einen steigenden GD200 (blaue durchgängige Linie), über dem die Kurse im Allgemeinen notieren. Wie in der Theorie erwähnt ist eine bloße Intraday-Verletzung dieser Linie unerheblich.

Nach einer 50%igen Korrektur wurde die Order knapp oberhalb der letzten negativen Kerze gelegt (vgl. 2. graues Rechteck, Pfeil). Diese Order verblieb, bis diese mit einem kleinen Aufwärtsgap ausgelöst wurde.
Der Anfangsstopp wurde unter dem letzten gültigen relativen Tief (2. RT2) gelegt und verblieb, bis sich ein neues gültiges Hoch ausbildete.
Erst mit dem neuen Punkt RH3 durfte der Stopp nachgezogen werden.

Fazit

Dieses Setup ist speziell auf die Bedürfnisse von Feierabendtrader zugeschnitten, da Sie hierbei lediglich einmal täglich die Orderlage prüfen und gegebenenfalls anpassen müssen.
Sobald die Order jedoch dann ordnungsgemäß ausgeführt wurde, ist der zeitliche Einsatz deutlich geringer, da Sie dann nur noch aktiv werden, bei der Überschreitung von markanten Punkten und nur dann den Stopp nachziehen müssen.

Interessante Modifikationsmöglichkeiten können in Betracht gezogen werden so u.a. durch Verknüpfung weiterer Aspekte der technischen Analyse wie z.B. Engulfing Pattern, Einbeziehung kleinerer Trendgrößen, Volumenbetrachtung und dergleichen.

Nichtsdestotrotz wird es auch bei diesem Ansatz Trades geben, die im Verlust enden, jedoch können–bei beständiger Anwendung der Handelsregeln- die größeren Gewinner die vorangegangenen Verluste kompensieren, da Sie trendfolgend handeln und somit Gewinntrades so lange halten, bis der Markt Ihnen zeigt, wann es Zeit ist auszusteigen.

Abschließend bleibt festzuhalten, dass es auch mit den besten Handelssetups nicht möglich ist, über Nacht reich zu werden und Sie unbedingt mit reproduzierbaren Regelwerken unter Berücksichtigung eines stringenten Risiko-, Geld- und Positionsgrößenmanagements an den Märkten agieren.

 

Strategie Snapshot

Strategiename:

Trendhandel aus der Korrektur

 

Strategietyp:

Mittelfristiges Swing-Trading

 

Zeithorizont:

EoD

 

Setup:

Long: Im Aufwärtstrend bei Kursen über dem GD200 wird eine 50%ige Korrektur abgewartet und zum Timing über die jeweils letzte bearishe Kerze eine Einstiegsorder gelegt, um den Trend zu handeln.
Short: analog zum Longsetup

 

Einstieg:

Knapp oberhalb der letzten bearishen Kerze wird eine Einstiegsorder gelegt. Sofern der Markt weiter fällt, wird Order immer versetzt über die aktuelle letzte bearishe Kerze, bis maximal des letzten relativen Tief.

Stopp-Loss:

Anfangsstopp knapp unterhalb des letzten gültigen relativen Tiefs im Aufwärtstrend.

 

Take Profit:

Durch den Markt mittels nachgezogenem Stopp.

 

Risiko-Management:

Pro Trade 0,25 % bis maximal 1 % vom Depot