Vom Rückzug zum Angriff

So handeln Sie risikoärmer aus der Korrektur.

Ein Ansatz, der u.a. auch vielfach in der Literatur erwähnt wird ist, dass aufgrund des besseren Chancen-Risiko-Verhältnisses (CRV) aus der Korrektur heraus in die vorherrschende Trendrichtung gehandelt werden soll.

Dabei kommt es jedoch häufiger zu Verlusttrades, da ein willkürlicher Einstieg in eine laufende Korrektur mit engen Stopps vergleichbar ist mit dem „Griff in ein fallendes Messer“.
Diese Verluste zu minimeren und damit risikoärmer zu handeln kann mittels der „Rückzugstrategie“ erfolgen, bei der der Einstiegspunkt genauer spezifiziert und weniger Signale gehandelt werden, die jedoch dafür eine höhere Treffer-Wahrscheinlichkeit aufweisen.

Die Grundüberlegung dieser trendfolgenden Handelsstrategie basiert auf der klassischen Trenddefinition gemäß der Dow-Theorie bei der es wahrscheinlicher ist, dass ein Wert seine etablierte Trendrichtung fortführt und zum anderen Kurse die Tendenz haben, dass diese in die dem Trend entgegengesetzte Richtung korrigieren, um hiernach wieder in die ursprüngliche Trendrichtung zu drehen und damit diesen wieder schlussendlich fortführen.

Nun ließe sich prinzipiell bei einem Korrekturhandel stur, quasi „mechanisch“, jegliche Korrektur handeln.
Allerdings ergeben sich durch solches unreflektiertes Trading dann auch vermehrt Verlusttrades.

Die Rückzugstrategie minimiert Fehlsignale und Verluste und verhilft uns zugleich zu einem duplizierbarem Regelwerk dass nach objektiven Kriterien Einstiegssignale in der Korrektur anzeigt.

Die Strategie

Die Handelsstrategie, welche in diesem Beitrag auf Tages-Basis vorgestellt wird, läßt sich in drei Hauptteile gliedern, nämlich einem Filter der die Vorbedingung klärt, dem eigentlichen Setup mit den konkreten Einstiegsregeln sowie dem Trade-Management im Verlust- und Gewinnfall.

Im Nachfolgenden wird die Strategie anhand eines Long-Szenarios erläutert. Selbstverständlich gilt das dargestellte Konzept auch analog für die Short-Seite.

 

1. Vorbedingung

Zunächst muss ein Wert vorliegen, der in einem Aufwärtstrend tendiert und dessen Kursverlauf aktuell über dem gleitenden exponentiellen Durchschnitt (EMA) 50 und 200 notiert (ebenso wäre auch ein einfacher gleitender Durchschnitt, etc. möglich, jedoch wird in diesem Beitrag der EMA benutzt).

Des Weiteren muss ein Aufwärtstrend etabliert sein. Dieser kann ein junger Trend sein oder eine bereits länger anhaltende Trendphase. Diese Vorbedingungen können manuell geprüft werden oder lassen sich z.B. automatisiert mit einem Chart-Software-Screening so u.a. mit der Messung des prozentualen Abstandes zum EMA 50 und 200, dem ADX der über 30 eine gewisse Zeit notiert oder dem Abstand zum Vorgänger-Hoch der letzten X Tage, usw. leicht vorfiltern.

 

2. Setup

Das Setup wird eingeleitet durch eine beginnende Korrektur, in welcher der Kurs anfängt von seinem jüngsten relativen Hoch (RH) zu fallen in Richtung des 50er GDs und diesen berührt (Bedingungstag).
Bitte beachten Sie jedoch, dass der Kursverlauf nicht auf zwei hintereinander folgende Perioden auf Schlusskursbasis den 50er GD unterschreiten darf, denn dann besteht womöglich kurz- bis mittelfristig ein Nachlassen des Schwungs.
Durch den Filter und insbesondere der Bedingung der nicht signifikanten Unterschreitung des 50er GDs werden hauptsächlich stark tendierende Werte mit großem Momentum selektiert, die die erhöhte Chance haben nun wiederum in Trendrichtung mit impulsiven Bewegungen weiter zu steigen und eben nur diese Werte sollen gehandelt werden.

Erst bei Vorliegen der oben genannten Konstellation eignet sich demnach der so vorgefilterte Wert als potentieller Handelskandidat.

Im Bild 1 wird dieses Setup schematisch verdeutlicht.

 

3. Einstieg

Der Einstieg erfolgt nur dann, wenn der Kursverlauf Anlaß zur Annahme gibt, dass die Korrektur möglicherweise zu Ende ist und der Haupttrend nun wieder aufgenommen wird. Dies ist dann der Fall, wenn innerhalb einer Korrektur nach mehreren Abwärtskerzen (s.a. Bild B2) und der Berührung des 50er GDs eine Kerze vorliegt, die über der Vorgänger-Kerze schließt.

Um nun diese Annahme handeln zu können, ist es erforderlich sobald der Kurs den 50er GD am „Bedingungstag“ berührt, dass eine Order unmittelbar über das Hoch der Kerze gelegt wird, die den 50er GD berührt.

Nun verbleibt diese Kauforder so lange im Markt bis diese ausgeführt wird oder aber der Kurs weiter nachgibt und unter das das Tief der Bedingungstags-Kerze fällt bzw. auf zwei aufeinander folgende Tage den 50er GD auf Schlusskursbasis unterschreiten. Sofern diese Alternativen eintreten, ist das Szenario hinfällig und die Kauforder wird storniert.

Bild 2 verdeutlicht den konkreten Einstieg und die Orderlage.

 

4. Stoppsetzung

Der Anfangsstopp liegt knapp unterhalt der „Bedingungstags“-Kerze.

Ein Trailing Stopp wird jeweils mit jeder folgenden Kerze auf Schlusskursbasis nachgezogen und zwar immer knapp unterhalb der Vorgänger-Periode.

 

5. Gewinnmitnahme

Die Gewinnmitnahme erfolgt durch den Markt selbst, d.h. die Stopps werden so lange nachgezogen bis der Markt die Stopps „abholt“ und so die Position herausnimmt.

 

Praxisbeispiele

Das Beispiel in Bild 3 soll konkret zeigen, wie die Handelsstrategie in der Praxis eingesetzt wird.

Dargestellt ist ein Tageschart der Aktie BASF im Zeitraum 14. Mai bis 29. November 2013.

Nach einem Abwärtstrend bildete sich von August 2013 an, ein neuer junger Aufwärtstrend aus, der mit dem zweiten relativen Hoch Mitte September sich etablierte. Zugleich notierte der Kursverlauf ebenfalls seit Mitte September über dem EMA 50 und 200.

Ab dem 19.09. begann innerhalb des neuen Aufwärtstrends eine Korrekturphase. Am 07.10. berührte der Kurs den EMA 50, so dass eine Kauforder knapp oberhalb vom Hoch des 07.10. bei 70,42 platziert werden konnte. Diese Order wurde dann am 10.10. ausgelöst und ein initialer Stopp unmittelbar unter dem Tief vom 07.10. bei 69,13 wurde in den Markt gelegt. Mittels Trailing-Stopp wurde sukzessive mit jeder neuen Kerze der Stopp auf die Vorgänger-Kerze nachgezogen.

Am 05.11. wurde der so nachgezogene Stopp knapp unterhalb des Tiefs vom 04.11. bei 75,91 ausgelöst, was zu einem CRV von rund + 3,4 R führte.

Das Beispiel in Bild 4 anhand der Daimler Aktie zeigt sehr schön, dass die „Rückzugstrategie“, keineswegs immer nur zu großen Gewinner führt.

Im Chart ist die Daimler Aktie im Tageschart vom 16. April bis 29. November dargestellt.

Die Aktie befand sich in einem Aufwärtstrend und der Kursverlauf notierte seit Mitte Mai über dem EMA 50 und 200. Am 26.08. fing sie an zu korrigieren und am 28.08. berührte der Kurs den EMA 50. Hiernach wurde eine Kauforder knapp oberhalb des Hochs vom 28.08. bei 52,82 gelegt. Diese Order wurde dann auch am 29.08. ausgeführt. Durch den schrittweise nachgezogenen Stopp auf die Vortages-Kerze wurde der Stopp am 03.09. auf das Tief der der Vorgänger-Kerze unterhalb von 52,84 herangeführt, um dann am 04.09. sogleich ausgestoppt zu werden und den Trade mit Plus-Minus-Null zu beenden.

 

Modifikationsmöglichkeiten

Natürlich kann die Rückzugstrategie mit anderen Elementen der technischen Analyse kombiniert werden. So ist u.a. der Einsatz von Fibonacci-Retracements, die dann günstigenfalls mit dem EMA 50 zusammentreffen eine sinnvolle Kombination. Ebenso ist es auch möglich den Aufwärtstrend und die Verortung der Relativen Hochs und die Korrekturniveaus zu diesen miteinzubeziehen. D.h. wenn der Kurs in einer Korrektur den EMA 50 berührt und zugleich dieses Kursniveau auf oder in die Nähe des letzten relativen Hochs zusammenfällt (vgl. Bild 2 am 3. RT-Punkt), kann dies als weiterer bestätigender Aspekt gewertet werden.

 

Fazit

Die aufgezeigte Handelsstrategie verhilft durch ein striktes Anwenden des Regelwerkes dazu, dass nicht planlos an irgendeiner Stelle innerhalb einer Korrektur ein Trade eingegangen wird, sondern dass an sinnvollen Niveaus zu ständig wiederholbaren Bedingungen mit erhöhter Gewinn-Wahrscheinlichkeit Trades eingegangen werden können.
Dennoch wird auch diese Handelsstrategie nicht permanent erfolgreich sein.
Jedoch können die Gewinner bei stringentem Risiko- und Geldmanagement die Verluste überkompensieren und so auf längere Sicht eine positive Rendite erzielen.

 

Strategie Snapshot

Strategiename:

Rückzugstrategie

Strategietyp:

Swing Trading

Zeithorizont:

EoD

Setup:

Long: Im starken Aufwärtstrend bei Kursen über dem EMA 50+200 wird die eine Korrektur abgewartet zum EMA 50, um dann die mögliche Beendigung der Korrektur früh mit engen Stopps in die ursprüngliche Trendrichtung zu handeln.
Short: analog

Einstieg:

Über dem Hoch der Kerze, die den EMA 50 berührt, bei einer positive Folgekerze.

Stopp-Loss:

Anfangsstopp am Tief der Einstiegskerze, hiernach Trailing-Stopp mit der jeweiligen Vorgänger-Kerze

Take Profit:

Durch den Markt mittels Trailing-Stopp.

Risiko-Managment:

0,5 % Pro Trade